Hallo, meine lieben Abenteurer!
Tag 92 unserer E-Motorrad-Weltreise und ich sitze hier unter einer Autobahnbrücke in Südwestspanien. Klingt romantisch? Ist es nicht. Aber der Reihe nach…
Wenn der Wetterbericht lügt
Gestern Abend war alles perfekt. Schöner Strand, ruhige See, Solovino und ich haben es uns gemütlich gemacht. Der Wetterbericht sagte: “Kein Regen bis morgen früh.” Ha! Um 4 Uhr morgens ging die Post ab. Wind, Regen, Sturm – die volle Packung.
“Diese Nacht war echt grauenhaft,” sage ich dir ohne Übertreibung. Alles was nicht niet- und nagelfest war, ist durch die Gegend geflogen. Meine Schuhe standen unter der Plane – natürlich genau da, wo das Loch war. Komplett durchgeweicht. Solovinos Fressnapf? Ein improviserter Wassertank.
Aber hey, immerhin hatte ich jetzt Wasser! Mit meinem Filter konnte ich das Regenwasser nutzen – aus der Not eine Tugend machen, das ist Weltreise-Spirit.
119 Kilometer zum nächsten Regenschutz
Mit nassen Schuhen und der Aussicht auf weitere Regentage habe ich eine brillante Idee gehabt: Brücke! Zwischen Huelva und Sevilla gibt es eine schöne Autobahnbrücke. Zumindest dachte ich, sie wäre schön.
Die ersten 600 Kilometer mit der Energica Experia waren geschafft, heute sollten weitere 119 dazukommen. Klingt nach einem Plan, oder?
Wenn das E-Motorrad zum U-Boot wird
Spoiler Alert: Es war kein guter Plan.
Das matschige Gelände zur Brücke hat meinem schwer beladenen Motorrad den Rest gegeben. 72% Akku für gerade mal 18 Kilometer! Das ist nicht normal, selbst für schlechte Bedingungen nicht. Aber das war noch nicht das Ende der Geschichte.
Kurz vor der Brücke: PLATSCH! Das Motorrad bleibt im Matsch stecken. Völlig fest. Mit all dem Gepäck, den Solarpanels und Solovino’s Equipment wiegt das Ding eine halbe Tonne. Alleine rauszubekommen? Praktisch unmöglich.
Nach ewigem Kämpfen und Fluchen habe ich es endlich geschafft. Motorrad liegt umgefallen im Schlamm, ich sehe aus wie ein Schwein und campe jetzt “wie so ein Penner” unter der Autobahnbrücke. Glamourös ist anders.
Die Nacht der 40-Tonner
Wenn du denkst, eine Sturmnacht am Strand war schlimm, dann hast du noch nie unter einer spanischen Autobahnbrücke geschlafen. “Minütlich 40 Tonnen 2 Meter über dem Kopf” – jeder einzelne LKW hat mich wachgerüttelt. An Schlaf war nicht zu denken.
Aber das war noch nicht alles. Am nächsten Morgen der Schock: Nach ganztägiger Solarladung nur 27% Akkustand. Das reicht nicht mal ansatzweise bis Sevilla! Und als wäre das nicht genug – die Wasservorräte werden knapp und Solovinos Hundefutter ist aufgebraucht.
Die harte Realität der E-Mobilität
Diese Situation zeigt brutal ehrlich, womit wir auf dieser Reise kämpfen. Ein konventionelles Motorrad hätte ich irgendwo vollgetankt und wäre weitergefahren. Mit dem E-Motorrad bin ich komplett abhängig von der Sonne – und die spielt gerade nicht mit.
Trotzdem: Aufgeben ist keine Option. Nach drei Stunden Packzeit bin ich trotz knapper Reichweite aufgebrochen. Irgendwo näher an Sevilla wird sich schon ein besserer Campplatz finden.
Was diese Reise wirklich bedeutet
“Diese Reise ist mehr als fünf Kilometer – sie ist ein Experiment, ein Traum und ein Weg.” Das sage ich mir immer wieder, wenn es hart wird. Und es wird oft hart.
Wir testen hier die Grenzen der E-Mobilität, des Solarcampings und des menschlichen Durchhaltevermögens. Nicht alles funktioniert perfekt – aber genau das macht es authentisch.
Solovino macht übrigens alles mit, ohne zu meckern. Von ihm können wir Menschen noch eine Menge lernen.
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Bis zum nächsten Abenteuer,
Rhino & Solovino 🏍️⚡️